Never

Bio

Zwei Uhr Früh, meine Füsse tun weh und ich bin so müde wie schon lange nicht mehr. Die Fahrt hat Stunden geda uert. Meine Sehnsucht nach dir jagte mich durch die Nacht.

Eine Nacht, in der ich nicht bei dir war. In der ich es zu ließ, dass ein anderes Gefühl mich beherrscht – ein Gefühl, weit weg von der Liebe, die ich für dich empfinde. Ein Verlangen, das mich stets aufs Neue verführt. Ich lag wie betäubt auf dem Rücksitz und hörte die Stimmen meiner Musiker. Wie die Nacht in ihren Worten von Neuem begann. Sie trugen mich weiter, mit Worten, statt Musik. Ebenso kraft- und liebevoll wie in den Stunden zuvor. Es hat nur Minuten gedauert, bis ich ihre Unterhaltung nur noch verschwommen und mit geschlossenen Augen in den Regen der Nacht fliegen hörte. Ihre aufgewühlten Stimmen vermischten sich mit der Musik aus dem Tourbus-Radio, mit dem Prasseln auf dem Blechdach. Meine Gedanken folgten dem Gewirr. Sie verloren sich, sie flogen zu dir. Jetzt seh ich dein Gesicht, höre deinen Atem, folge deinen Zügen die sich ins Kissen schmiegen. Ich fühle wie Liebe, Glück, Zufriedenheit und Ruhe die Sehnsucht verdrängen.

Ich bin zu Hause, bei dir……

Ich wollte nie Musikerin werden. Ich hatte nicht einmal die geringste Ahnung bzw. Vorstellung von einem derartigen Leben. Hätte man mir damals erzählt, dass ich irgendwann mit einem Manager, meinem Manager mitten in New York stehen würde, um eine Platte zu produzieren, hätte ich denjenigen wahrscheinlich für etwas verwirrt gehalten.

Ich habe weder Musikereltern, noch spielte Musik in meiner Familie eine tragende Rolle, auch kann ich auf keine musikalische Ausbildung zurückgreifen. Ich war und bin es heute noch ein gewöhnliches Mädchen, welches seine Kindheit behütet in angenehmer Abgeschiedenheit verbrachte. Ich wuchs damals in einem noch kleinen Dorf, umgeben von über 2000 Meter hohen Bergen und einer großteils unberührten Natur auf. Sozusagen in „splendid isolation“.

Wenn ich meine Augen schließe, rieche ich noch den Duft der Nadelbäume des Waldes, in dem ich mit meinem älteren Bruder ein Baumhaus baute. Genauer gesagt hat er es gebaut, ich habe nur zugesehen. Konzentriere ich mich etwas mehr, kann ich sogar noch das Rauschen des Baches direkt neben meinem Elternhaus hören. Dieser schwellte nach jedem Gewitter an und war so laut, dass man ihn sogar durch geschlossene Fenster hören konnte. Ironischerweise hatte dieses teilweise wilde und bedrohende Rauschen eine beruhigende Wirkung auf mich. Warum weiß ich nicht. Heute denke ich, ich könnte mich mit diesem Bach vergleichen. Auf der einen Seite bin ich der wilde Strom, der unkontrolliert Wurzeln, Steine und Geröll mit sich reißt, auf der anderen Seite gleiche ich einem stillen, ruhigen, beinahe seichtem Gewässer. Ich habe mir schon immer irgendwie selbst widersprochen.

Mit sechs Jahren schenkten mir meine Eltern zum Geburtstag eine Gitarre. Eigentlich hätte ich mir ein Klavier gewünscht, aber ich traute mich nicht, meinen Wunsch direkt auszusprechen, da ich mir vorstellen konnte, wie viel so ein Klavier kosten würde. Also eine Gitarre. Schlussendlich war es eine kluge Entscheidung meiner Eltern, denn ich hätte wahrscheinlich, so wie den Gitarrenunterricht, auch den Klavierunterricht geschwänzt. Nach nur eineinhalb Jahren meldeten sie mich, auf meinen Wunsch, wieder von der Musikschule ab.

Ich versuchte, mir das Spielen selbst beizubringen.
Ich unterrichtete mich sozusagen selbst,

bis ich jeden Ton fühlte.
Bis meine Seele die Musik verstand.
Bis mein Selbstvertrauen ein erstes Lied über meine Lippen stieß.

Bis ich mich zum ersten Mal verliebte.

In die Musik.

Meine erste große Liebe. Plötzlich war sie überall, ich hörte sie überall um mich herum. Im Wind, im Rauschen des Baches, wenn es regnete, wenn die Sonne schien, wenn ich barfuß auf einem Kiesweg dahin schlenderte, bei Begegnungen mit Menschen, ständig, ständig in mir drin. Und ich versuchte sie festzuhalten und nach außen zu bringen.

Doch trotz meines früh entdeckten Gespürs für Melodien kam ich nie auf die Idee, Kapital aus meiner Musik zu schlagen oder diese zu meinem Beruf zu machen. Sie blieb also auf eine gewisse Art und Weise jahrelang meine Geliebte.

Mit 22 Jahren brachte ich dann meinen Sohn zur Welt. Oh mein Gott - ich weiß was Liebe ist. Nach mehreren Jahren, die ich herumirrend und suchend verbrachte, fand ich plötzlich und völlig ungeplant, wonach ich suchte.

Meinen Sinn, mein Ziel, mein Leben.

Ich liebte diesen kleinen Jungen so sehr, dass ich das Gefühl hatte, die Jahre zuvor unvollständig gewesen zu sein. Diese unmessbare Liebe….Glück, Zufriedenheit und Ruhe verdrängten plötzlich meine Sehnsucht.

Ich hatte Glück.

Zwei Jahre später fing ich an, getrieben von akuter Zukunftsangst und chronischem Geldmangel, in kleinen Jazz Clubs und Hotels zu spielen. Nur von einem Klavier begleitet, sang ich an mehreren Abenden in der Woche meine Songs und ich erinnere mich noch an den Augenblick, an dem ich mir, während ich sang dachte „Nie wieder werde ich ohne die Musik leben können“. Ich verspürte diese Leidenschaft und wieder, Liebe, Glück, Zufriedenheit und Ruhe.

Dieser eine Augenblick und der klare, geerdete Verstand, dem ich meinem Sohn zu verdanken habe, haben mich dazu gebracht, mein erstes Album zu produzieren. In einem kleinen Tonstudio, mit geringen Mitteln vertonte ich meine Gedanken.

Ich wollte dieses Album weder einer Plattenfirma senden noch hätte ich mir damit je einen Erfolg erträumt. Es ging mir einfach nur um diesen kreativen Prozess, ohne den ich, so wie es scheint, nicht leben kann.

Dass mich diese CD beinahe rund um die Welt bringt, mir die Möglichkeit gibt, in ausverkauften Stadthallen zu spielen, mit der bezaubernden „Katie Melua“ sowie mit der amerikanischen Legende „Giant Sand“ auf Tour zu gehen, mir Angebote von Plattenfirmen einbringt, um genau das zu machen, wovon ich - nie geträumt habe, war nicht geplant…..

It was a long way home……

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